Am Aschermittwoch ist alles vorbei?

Für viele Menschen ist der Aschermittwoch einer der traurigsten Tage im Jahr, weil die sogenannte 5. Jahreszeit, die Fastnachtszeit, zu Ende ist. Vorbei ist die Zeit des Verkleidens, der Büttenreden, der Umzüge und des Narrentreibens.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“

Es wird Abschied von der närrischen Zeit mit den Heringsessen und den Aschermittwochsreden der politischen Parteien genommen.

Ist mit dem Aschermittwoch wirklich alles vorbei, was uns Spaß macht?

Ich bin der Meinung, der Aschermittwoch ist kein Trauertag, er ist kein Tag der finsteren Gesichter.

Jahr für Jahr nimmt der Aschermittwoch im Kalender seinen besonderen Platz ein. Und der ist so fest, dass er nicht verdrängt werden kann. Dabei ist er nur ein Werktag. Wie sein Name sagt, fällt er immer auf einen Mittwoch; auf den Mittwoch vor dem ersten Fastensonntag. Der Tag steht fest, aber das Datum wechselt, weil es vom Ostertermin abhängig ist.

Genau darin verbirgt sich ein wesentliches Zeichen dieses Tages: Mit dem Aschermittwoch beginnen die 40 Tage der österlichen Bußzeit, die am Gründonnerstag enden. Das Zeichen der Asche steht am Beginn der großen Bußzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Mit ihr wird uns ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Dabei erinnert uns ein Vers aus dem Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel, daran: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!“ (Gen 3/19)

Ziemlich deutlich bringt uns diese seit Jahrhunderten bestehende Tradition zum Bewusstsein, dass wir vergänglich sind, dass alles Irdische dem Prozess des Werdens und des Vergehens unterworfen ist.

Auch wir selbst - mit all unseren Freuden und Sorgen, unserem Besitz und unseren Beziehungen, unseren Krankheiten und menschlichen Schwächen, unserer Familie und alldem, woran wir im Leben am stärksten hängen – wir werden einmal sterben.

Dieser Wahrheit dürfen wir am Aschermittwoch ins Auge sehen.

Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.

Die Gegensätze könnten eigentlich nicht größer sein. Auf der einen Seite die ausgelassene Freude der vergangenen Fastnachtstage und auf der anderen Seite die so nachdenklich stimmende Zeremonie der Aschenauflegung.Es ist fast so, als würde uns die Kirche die Freude nicht gönnen und als müsste sie uns diese auch gleich wieder gründlich vermiesen.

Dem ist aber nicht so. Denn die Botschaft, die die Kirche zu verkünden hat, ist eine Frohe! Die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit wäre gründlich falsch verstanden, wollten wir sie nur unter dem düsteren Zeichen unserer Vergänglichkeit sehen.

Die Zeit der Heiligen 40 Tage ist wieder eine Chance, unser Leben zu prüfen und uns zu fragen, ob wir auf der richtigen Spur sind.Dabei können wir uns auseinandersetzen mit unserer Einstellung dem Ärmsten in unserer Gesellschaft gegenüber, Gott gegenüber und uns selbst.

Glauben wir der Bibel, dann ist das die Reihenfolge.

Die Asche auf unserer Stirn will zeigen:

Wir sind bereit, uns mit unseren Fehlern in der Vergangenheit auseinanderzusetzen; wir sind bereit, einen neuen Anfang zu wagen, wir sind bereit, uns mit unserem Denken, Reden und Tun neu auf Gott einzulassen.

Am Aschermittwoch fängt alles neu an, so könnte zusammenfassend die Überschrift für die beginnende Fastenzeit heißen.

Wir sind eingeladen, in dieser österlichen Bußzeit unser Leben angesichts unserer Vergänglichkeit wieder näher anzuschauen, ob es gut ausgerichtet ist. Wenn wir die Zeit richtig nutzen, wird das Halleluja der Osternacht für uns einen ganz neuen und besonderen Klang erhalten.

Pfr. Winfried Vogel

Pfarrer von Steinbach und Arzell