Der gute Hirte

In diesem Monat schauen wir am 4. Sonntag der Osterzeit wieder auf das Bild des „guten Hirten“. Dieser gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe (vgl. Joh 10,11ff). Bei diesem Evangelium muss ich immer wieder an eine große Gestalt aus unserer Pfarrgemeinde denken, die im wahrsten Sinne des Wortes, Zeugnis für den Glauben bis zum Tode abgelegt hat. Am 10. Januar 1877 wurde in Oberufhausen (heute Ufhausen) Joseph Sauer als Sohn eines Hüttners geboren. Nach dem Besuch der Schule trat der junge Mann in den Orden der Missionsbenediktiner in St. Ottilien ein. Dort erhielt er bei seiner Einkleidung den Namen unseres Bistumspatrones Bonifatius. Nach seiner Priesterweihe 1909 schickte ihn der damalige Abt von St. Ottilien nach Korea. Dort sollte er der Niederlassung der Benediktiner in Seoul als Prior vorstehen. Im Jahr 1913 wurde das Priorat in Seoul zur Abtei erhoben und Bonifaz Sauer deren erster Abt. Mit der Übertragung großer Gebiete im Norden Koreas und der Mandschurei an die Benediktiner verlegte man den Sitz der Abtei nach Tokwon. 1921 wurde Abt Bonifaz Sauer zugleich Bischof für dieses Gebiet. Als wahrer guter Hirte kümmert es sich um die ihm anvertraute Herde der Gläubigen und Hilfsbedürftigen. Bei der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 wurde das Kloster aufgelöst und die Mönche und Schwestern im Gefängnis von Pyongyang inhaftiert.  In dem Buch „Schicksal in Korea“ (hrsg. von Witgar Dondorfer OSB und Willibrord Driever OSB, Verlag EOS Sankt Ottilien, 2009) werden die letzten Tage so  beschrieben: „Die Gefängniszelle für unseren Bischof maß nicht einmal zwei mal zwei Meter; auch der Abort stand darin. Bei seinem Eintritt in das Gefängnis nahm man ihm das Brustkreuz und den bischöflichen Talar ab und gab ihm das blaue, für Verurteilte bestimmte hässliche Sträflingsgewand.“
Unter den folgenden grausamen Haftbedingungen, stirbt der Abtbischof völlig ausgehungert am 7. Februar 1950. Weitere 37 Benediktiner bezahlen die Gefängnishaft mit dem Leben. Im Jahr 2009 beginnt der für die „Märtyrer von Tokwon“ eingeleitete Seligsprechungsprozess in Rom. Aus den Briefen und Zeugnissen von damals lesen wir einen innigen Glauben und ein grenzenloses Vertrauen in die Führung und Fügungen Gottes. Auch heute werden an vielen Orten unsere Erde Menschen wegen ihrer Religion, oder Herkunft verfolgt und umgebracht. Korea steht mehr denn je im Blick der Weltöffentlichkeit und droht mit Gewalt und Krieg.  
Mag uns also der kommende Sonntag mit dem Blick auf den guten Hirten „Christus“ dazu einladen, besonders für Frieden, Gerechtigkeit und auch Toleranz unter den Religionen zu beten.  Mag das Zeugnis der Märtyrer jene Menschen stärken, die augenblicklich in Korea und darüber hinaus verängstigt werden. Der Psalm 23 kann dabei eine echte Kraftquelle sein.

Pfarrer Markus Blümel