Ich sitze gerade in einer wunderschönen Bucht von Savudrija, einem kleinen Fischerort im Norden von Istrien. Vor mir liegt die vorwiegend felsige Küste, die von kleinen Kiesstränden durchsetzt und von üppig mediterraner Vegetation voller Lorbeeren, Palmen, verschiedenen Arten von immergrünen Sträuchern, Pinien und Zypressen umgeben ist. Mein Blick gehört der Weite des Meeres und der traumhaft schönen Landschaft. Ein Wunder der Natur, dessen Maler nur unser Herrgott sein kann. Was für ein Geschenk – welch ein Glück hier zu sein. Darum möchte ich mit David beten und jubeln:

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. /
Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr; /
mein ganzes Glück bist du allein.»


Du zeigst mir den Weg zum Leben. /
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, /
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

(Psalm 16,1-2, 11)

 

„Glück“ ist das Wort, das in den Ohren klingt, das sich einprägt und beim Hörer hängen bleibt. Wir wünschen „Viel Glück im neuen Jahr“, wir singen „Viel Glück und viel Segen“, wir sprechen von Glückskindern und Glückspilzen. Wenn etwas gelingt oder glückt, dann sind wir glücklich, manchmal beglücken wir auch andere, indem wir ihnen etwas Gutes tun. Besonders in der Urlaubszeit sind viele Menschen unterwegs, um Glücksmomente zu sammeln, indem sie auf Reisen gehen, sich oder andere verwöhnen, um schließlich aufzutanken für den Alltag.

 

Diesem Glück auf die Spur kommen, hat für mich mit Sehübungen zu tun. Das im Alltag entdecken, was mir an Gutem zugefallen ist und immer noch zufällt, und dafür auch Gott Danke zu sagen. Es hat mit Zufriedenheit zu tun, für sein Leben erfüllende Tätigkeiten zu suchen und zu pflegen. Es hat mit der Kunst zu tun, sich ein Netz von guten und gelingenden Beziehungen aufzubauen und dieses Netz zu pflegen. Glück, das kann auch bedeuten, Frieden mit Gott, mit mir selber, meiner Geschichte und meiner Umwelt zu finden. Die positive Kraft für den Alltag, die mir aus dem Glauben erwachsen kann, ist wichtig. Erlauben wir Gott, uns bei den Schwierigkeiten und Dunkelheiten des Alltags zu helfen; und vergessen wir nie, dass er uns liebt und einen Plan für uns hat, auch wenn wir ihn nicht immer verstehen.

 

Die folgende Geschichte, mit der die Viertklässler der Grundschule verabschiedet wurden, hat mir gut gefallen. Sie kann eine gute Übung sein, das Glück zu entdecken und dankbar auf das eigene Leben zu schauen:

 

Glücksmomente

Eines Tages rief der Großvater seine Enkelin Marie an sein Bett. „Weißt du, Marie“, begann er seine Erzählung. „Ich möchte dir etwas schenken. Etwas, das mir in meinem langen Leben sehr wertvoll und wichtig war.“ Dann öffnete der Großvater die Schublade an seinem Nachtkästchen und holte ein kleines Säckchen heraus. Er klapperte seltsam und Marie war schon gespannt, was sich darin befinden könnte.

„Vor vielen Jahren bekam ich dieses Säckchen geschenkt. Es sind lauter kleine Edelsteine darin. Viele Jahre lang hatte ich diese Steine immer bei mir. Und immer, wenn ich etwas Schönes erlebt habe, nahm ich einen Stein aus dem Säckchen und steckte ihn in meine Jackentasche. Am Abend dann nahm ich nochmals Stein für Stein in meine Hand und erinnerte mich. Und es war wunderbar! Auch an Tagen, an denen ich traurig war oder Ärger hatte, konnte ich viel Schönes und Wertvolles entdecken und mich am Abend noch einmal daran erinnern. Mir haben diese Edelsteine sehr geholfen, mich an das kleine Glück zu erinnern, das mir jeden Tag geschenkt wird, und dafür zu danken. Heute brauche ich sie nicht mehr. Deshalb schenke ich sie dir, Marie.“

Marie war dem Großvater an den Lippen gehangen. Freudig nahm sie das Säckchen entgegen und drückte ihm noch einen dicken Kuss auf die Backe, bevor sie wieder in den Garten rannte. Als Marie am Abend im Bett lag, hielt sie einige Edelsteine in der Hand. Sie erinnerten sie an die Glücksmomente eines einzigen Tages. Und Marie war erstaunt, wie viele es waren.


Maria-Martina Fischer, Gemeindereferentin