Wenn Kinder die Klapper halten

Alte Tradition wird am Karfreitag und Karsamstag noch gerne gelebt

In den Kirchtürmen wird es ab morgen Abend still: Nach dem Gloria in der Gründonnerstagsmesse schweigen die Glocken. An den beiden Kartagen herrscht dann sozusagen Totenstille, um über das Leiden und den Tod Jesu zu trauern. Das Geläut übernehmen von Karfreitag bis Ostersonntag die Klapperkinder.
Sie sind lauter als die Kirchenglocken: Wenn die 26 Klapperkinder in Steinbach ihre Runden durch alle Straßen des Ortes drehen, kann niemand behaupten, er hätte es zum Kirchgang und Gebet nicht läuten – beziehungsweise klappern – gehört. Die Klappern machen einen irrsinnigen Krach, und das gefällt den Kindern natürlich so richtig gut. Da fällt auch das frühe Aufstehen nicht schwer, wenn am Karfreitag auf den Straßen schon um 6.30 Uhr gestartet wird.
Die meisten Kinder sind offenbar Lerchen, denn sie haben damit kein Problem: "Wenn wir Schule haben, müssen wir ja auch früh aufstehen", sind sich alle einig. Die 13-jährige Tamara Niebling ergänzt: "Wenn man so früh aufsteht, dann ist man doch motiviert und kann super in den Tag starten." 
Die 26 Steinbacher Klapperkinder sind in fünf Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe hat bestimmte Straßen "abzuklappern". Je nach Gebiet sind die Kinder zwischen 30 Minuten und einer Stunde unterwegs – und das bei jedem Wetter. Im vergangenen Jahr war das Wetter sehr angenehm. "Einige Leute haben da schon draußen auf ihrer Terrasse gesessen und gefrühstückt", erzählt Johanna Vogt. Außer Hundebesitzern, die Gassi gehen, und einem Waschbären ist den Kindern kaum jemand auf der Straße begegnet. 
Fünfmal müssen sich die Steinbacher Kinder am Karfreitag auf Klapper-Tour machen, vier Runden sind es am Samstag. Die katholischen Christen werden damit jeweils zum Kreuzweg, zur Messe, zur Karfreitagsliturgie oder zum Gebet gerufen. Dabei stimmen die Kinder immer wieder die Verse an: "Wir rufen zum Englischen Gruße" oder "Wir rufen die Christen zur Kirche, Ave Maria". 
Am Samstag gibt es eine extra Sammel-Runde. Dabei klingeln die Kinder an den Haustüren und werden von den Steinbachern für ihren Einsatz mit Geld oder Süßigkeiten belohnt. Das Geld wird von allen Gruppen zusammengelegt und später auf die einzelnen Kinder aufgeteilt. Zwischen 30 und 40 Euro habe im letzten Jahr jeder von ihnen bekommen, weiß Obermessdienerin Elisa Vogt.
Einige Klappern der Kinder sind bereits schon in der dritten Generation in Steinbach unterwegs. Offenbar ist es so etwas wie eine Familientradition, die immer wieder weitergegeben wird. "Meine Klapper hat mein Ur-Opa selbst gebaut. Mein Papa war auch schon ein Klapperkind", erklärt Tamara Niebling stolz.
In Steinbach sowie auch in den meisten anderen Orten im Kreis Fulda, im Raum Schlüchtern und im Vogelsberg wird das Klappern traditionell von den Messdienern übernommen. Das heißt, dass die Kinder schon die erste heilige Kommunion gefeiert haben. "Danach sind die Kinder meistens Messdiener", sagt die Sprecherin des Pfarrgemeinderates Steinbach, Anja Gabel. 
Manche Kinder sind schon viele Jahre an den zwei Tagen vor Ostern mit ihren Klappern unterwegs. Sie schätzen dabei die Gemeinschaft untereinander und den Spaß während dem Laufen. Elisa Vogt hat dabei noch ein ganz persönliches Gefühl für sich entdeckt: "Ich freue mich dann immer so richtig auf Ostern", sagt die 14-Jährige.


Text und Bild: Sabine Burkardt; Marktkorb Fulda/Hünfeld