„Endlich Urlaub“

Die Schulkinder sagen in dieser Woche: „Endlich Ferien!“ – und ich höre dabei die Erleichterung, jetzt sechs Wochen zu haben, die nicht vom Schulstress bestimmt sind. „Endlich Urlaub!“, werden vermutlich in den kommenden Wochen viele Erwachsene sagen, wenn die lang erwarteten Wochen, die man als die schönste Jahreszeit bezeichnet, endlich da sind – Urlaub, Erholung, Ausspannen.

Ein paar Tage an einem netten, zumeist sonnigen Ort entspannen, gut essen, lange schlafen, sich in der üppig vorhandenen Sonne bräunen, abends mal länger aufbleiben, ohne an morgen denken zu müssen, morgens joggen oder eine Runde schwimmen und vielleicht die eine oder andere kulturelle Sehenswürdigkeit ansehen. Ja, so kann es werden? Ich bin dabei und freue mich jedes Jahr neu auf diese Zeit und ganz besonders auf die Tage im Süden.

Im letzten Jahr durfte ich allerdings eine Entdeckung machen, die mich gelehrt hat, dass der Sommerurlaub im Süden nicht alles ist, sondern es ein MEHR gibt und zwar mit großer Nachhaltigkeit. Nach einigen Gesprächen mit meiner geistlichen Begleiterin habe ich mich für fünf Tage Schweige-Exerzitien in einem Kloster am Starnberger See entschieden. Es war keine leichte Entscheidung, da mir von meiner Exerzitien-Begleiterin geraten wurde, in dieser Zeit den Kontakt zu meiner Familie zu meiden. Also kein Handy! Und außer der Bibel keine weiteren Bücher. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mächtig aufgeregt war und mit einem seltsamen Bauchgefühl von zuhause fortfuhr.

Schon nach einer kurzen Zeit im Kloster war mir klar, das ist mein „Urlaub mit Gott“. Ich durfte eine lebendige Zeit erleben, in der mich unser Herrgott begleitete und mit seinem lebendigen Wort erfüllte. Die Tage am Starnberger See waren weder langweilig noch einsam. Voll Freude ging ich in den neuen Morgen und war gespannt, mit welchem Gedanken oder Wort aus der Bibel ich mich an diesem Tag beschäftigen würde. Immer wieder wurde ich überrascht. Meine Blicke wurden nicht nur für die Worte in der Bibel geschärft, sondern auch für die sanften Zeichen und Töne, die Gott uns in der Natur schenkt. Ein spiritueller Urlaub – Nahrung für die Seele. Unglaublich wie nahe Gott uns Menschen sein kann, wenn wir den Mut haben, uns aus unserem Alltag herauszulösen und es still um uns werden kann.

Es fiel mir schwer, nach diesen Tagen mein Schweigen zu brechen und mich auf den Heimweg zu machen, obwohl ich mich doch so sehr auf meine Familie freute. Anfang August werde ich wieder in Tutzing sein, um in der Stille Gott zu suchen und zu finden. Vielleicht auch eine Motivation für Sie. Lassen Sie sich einfach anstecken und von Gott beschenken.

Ich wünsche Ihnen erholsame Ferien und Urlaubstage und schließe mit einem Gedanken des Hl. Augustinus:

Die Menschen reisen in fremde Länder
und staunen über die Höhe der Berge,
die Gewalt der Meereswellen,
die Länge der Flüsse,
die Weite des Ozeans,
das Wandern der Sterne;
aber sie gehen ohne Staunen aneinander vorüber.

Augustinus Aurelius, * 354, † 430


Maria-Martina Fischer, Gemeinderefentin