Gefängnisprojekt „Jail House College“ beim Starttag für neu gewählte Pfarrgemeinderäte im Bonifatiushaus Fulda

Denkanstoss für innovative Pastoral

8. Februar 2020. Der Katholikenrat hat beim Starttag für neu gewählte Pfarrgemeinderäte im Fuldaer Bonifatiushaus einen Marktplatz für innovative pastorale Projekte angeboten. Auch die katholische ‚Gefängnispfarrei‘ der Justizvollzugsanstalten Hünfeld und Fulda war eingeladen ihr Projekt am Nachmittag zu präsentieren. Diakon Dr. Meins Coetsier und ‚Jail House Musiker‘ Tilo Zschorn kamen mit dem Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber und seinem persönlichen Referent Dr. Peter Zürcher über das Arbeiten hinter Gittern ins Gespräch.

Der Gefängnisseelsorger und sein ehrenamtlicher Mitarbeiter waren vom Organisator und Geschäftsführer Mathias Ziegler eingeladen einen „Blick in den Maschinenraum“ zu geben. Diakon Coetsier stellte das JVA Projekt am Starttag für Pfarrgemeinderäte per Bild, Film und Gittarenmusik im Bonifatiushaus vor. Auch konnten die Besucher in Gefängnisliteratur reinschnuppern und sich für eine kleine Spende eine CD vom Musikprojekt „Divine Concern“ (Göttliche Betroffenheit) besorgen oder das Buch „Humor hinter Gittern“ bestellen.

Eine kleine musikalische Aktion begeisterte und regte persönliche Gespräche an, die ebenso von kleinen Zetteln mit Denkanstößen geprägt waren wie: „Wer bin ich? Was ist Freiheit? Wo bin ich gefangen?“ Es waren diese drei Fragen, die die Gefangenenseelsorge dem Bischof, dem Katholikenrat, und den Menschen im Bistum mit auf den Weg gab. „Wir sind alle gefangen, auf die ein oder andere Weise,“ sagte Diakon Coetsier, „das aber zu spüren und zu realisieren, kann uns auf andere Gedanken bringen und vielleicht entwicklen Pfarreien sogar ein wenig Mitgefühl und Verständnis für die Menschen im Knast und das Leben in Gefangenschaft.“

Die anwesenden neugewählten Pfarrgemeinderäte und die Besucher vor Ort konnten bis zum Schluss via Powerpoint und Film am Entstehen des Projektes teilhaben. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung sind in einer JVA immer in Bewegung. „Gute Erfahrungen, wie am 4. Februar mit Blues-Rock Lady Erja Lyytinen, aber auch wenig gute Erfahrungen kann man nicht einfach von einem Ort wie einem Gefängnis zu einer Pfarrei übertragen,“ betont Coetsier, „aber was man lernen kann ist, dass Kirche-Sein und die Gebete so treffend und lebensnah werden müssen, dass wir die Gedanken und Gefühle, Sorgen und Nöte von Menschen entsprechend akzeptieren und wertschätzen. Musik, Bildung und Kultur helfen dabei, den harten Knastalltag in Unfreiheit zu erleichtern“.

Es ging auf dem Marktplatz im Bonifatiushaus mit 12 innovativen pastoralen Projekten darum, deren Geschichte zu erzählen, ins Gespräch zu kommen und von den Erfahrungen zu berichten. +++


Text:    Gefängnisseelsorge JVA Hünfeld / JVA Fulda                                                                                          Bilder: Gefängnisseelsorge JVA Hünfeld / JVA Fulda