Zwischen Zerstörung und Aufbruch „Was bleibt in diesen Zeiten?“

Zwischen Zerstörung und Aufbruch

„Was bleibt in diesen Zeiten?“

Unter diesem Titel konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Stiftskirche in Rasdorf ein herausragendes Konzert des RHEINVokalensemble unter der Leitung von Erik Reinhardt hören.

Der aus Rasdorf-Grüsselbach stammende 23-jährige Musiker studierte, nach Grundausbildung im Kirchenmusikalischen Institut des Bistums Fulda, Kirchenmusik und Operngesang in Mainz. Sein musikalisches Ziel ist Dirigent zu werden, was er durch ein weiters Studium erreichen will. Er trat in der voll besetzten Stiftskirche in Rasdorf wie am Tag zuvor in der Christuskirche in Fulda mit einem Chor mit hoher stimmlicher Qualität auf. Es waren äußerst anspruchsvolle Werke, die der 19 Personen umfassende Chor tonrein und mit äußerster Präzision präsentierte. „Der Mensch lebt und besteht“ von Max Reger war das Eröffnungsstück in dem Erik Reinhardt, wie in der gesamten Darbietung, die harmonisch fordernden Passagen mit sicherer Hand dirigierte. Ihm folgten „Tristis es anima mea“ (Orlando di Lasso) und „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger. Beeindruckend war mit welcher Dynamik der Chor seine Stimme einsetzte und voll den Raum füllenden Chorklang, der sich in den Bögen der Stiftskirche widerspiegelte oder sein Pianissimo beherrschte. Gekonnt und akzentuiert las Larissa Botos die Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos von Greta Thunberg. Nach „Vide homo“ (Orlando di Lasso) und „Gib unseren Fürsten“ (Heinrich Schütz) las Florian Küpper Texte von Martin Luther (Auszüge aus seinen Tischreden) und Dietrich Bonhoeffer (Auszüge aus Widerstand und Ergebung). Ebenso las er vor dem Schlusslied Auszüge aus der Enzyklika „Laudato si – über die Sorge für das gemeinsame Haus von Papst Franziskus. Ein besonderes Highlight war „Miserere mei“ von Gregorio Allegri (1582 – 1652). Die Sopranistinnen Sonja Grevenbrock und Johanna Eberling sowie die Altistin Larissa Botos und der Tenor Fabian Kelly begaben sich in den hintern Raum der Stiftskirche unter der Orgelempore. Als Favorit-Chor sangen sie mit glasklaren Stimmen und einer außerordentlich hohen Sopranstimme von Sonja Grevenbrock die Antworten auf die Tutti-Passagen des Psalmgesangs. Folgend rezitierte Johanna Ebeling Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank. Anschließend präsentierte der konzentriert singende Chor die sehr anspruchsvollen Chorsätze „Peace I leave with you“ und „Ave verum corpus“ von den beiden Komponisten des 20. Jahrhunderts Knud Nystedt und Joseph Ahrens. Mit den Chorsätzen „Selig sind die Toten“ (Heinrich Schütz 1585- 1672) und „Schaffe in mir Gott“ ( Johannes Brahms 1833 – 1897) endete ein Konzert, das für Chorgesang -Genießer keine Wünsche offenließ und alle Erwartungen an musikalisches Können und sicherer Dirigentenarbeit übertraf. Die Zuhörerinnen lohnten es mit langanhaltendem stehenden Applaus und dem lautstarken Wunsch nach Zugabe, den der Chor mit „Bleib bei uns Herr“ von Gabriel Rheinbergers erfüllte und nochmals anerkennenden Beifall erhielt.


Text:   Winfried Möller                                                                                                                                                                  Bilder: Winfried Möller