Geistlicher Impuls für den Monat Mai 2020

Es ist noch früh am Morgen. Nach drei Monaten des Laufverbots, aufgrund einer komplizierten Verletzung, hole ich meine Turnschuhe aus dem Schrank, um in die kleine Anbetungskapelle nach Eiterfeld zu joggen. Ein erster Schritt zurück in eine „Freiheit“, die ich so sehr vermisst habe. Gleichzeitig ein Wagnis. Ich frage mich: „Werde ich die Strecke überhaupt schaffen? Welche Konsequenzen wird dieser Start mit sich bringen? Vielleicht sogar ein schmerzhafter Rückschlag?“. In Eiterfeld angekommen, werden mir meine Schwächen und menschlichen Begrenztheiten sehr bewusst. Der Neueinstieg ist schwieriger, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Ich erahne, ein anstrengender Weg liegt vor mir. Nur mit viel Training und Disziplin werde ich wieder das Vertrauen in meine Füße und meinen Körper bekommen.

Es sind zwei Gedanken, die mich an diesem Morgen bewegen und die ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

  • Einmal: Die genannten Erfahrungen spiegeln einzelne Züge unserer derzeitigen Situation mit all ihren Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sowie den anstehenden Lockerungen wider.

  • Eine weitere Überlegung: Der Lauf als ein Bild für meine Beziehung zu Jesus Christus.

„Lauft, damit ihr ihn (Christus) gewinnt“, ermutigt Paulus seine Gemeinde in Korinth (1. Kor. 9,24). Unser Lauf soll also Christus gehören. Für ihn sollen wir alles einsetzen. Er ist es für Paulus, der uns aus dem Dunkel in das Licht (der Freiheit) führt. Ist das tatsächlich auch mein Glaube?

Mit Blick auf die derzeitigen Einschränkungen halte ich die Luft an. Ich leide mit den mir anvertrauten Menschen unter den Verlusten und dem Verzicht. Vieles fehlt, anderes macht Angst! Die Lockerungen der letzten Wochen könnten einen Rückschlag bedeuten. Das alles arbeitet in mir. Ich stelle fest, dass ich konkrete Vorstellungen davon habe, wie mein Lebensweg mit Christus auszusehen hat. Und wenn ich dann so gehe und sehe, dass das Leben plötzlich nicht in den von mir kontrollierbaren und geordneten Bahnen läuft, bin ich überrascht, wie anders und anstrengend sich die Realität anfühlt. Der Wettlauf beginnt: Ein Leben nach den Vorstellung dieser Welt oder ein Leben mit Jesus Christus.

Motiviert durch die Worte des Evangeliums ergreife ich die Initiative. Ich will mich von der Krise und den Störungen des Lebens nicht ausbremsen lassen. In all dem erlebe ich, ähnlich wie bei meinen sportlichen Aktivitäten, eine große Eigenverantwortung. Ich entdecke im Verzicht auf die herkömmlichen Gottesdienstformen neue Chancen, um Gott im Gebet, den virtuellen Angeboten und ganz besonders in unserer kleinen Hauskirche – der Familie – neu zu entdecken.

Meine Entscheidung ist klar: Mein Lauf soll ihm – Jesus Christus – gehören. Nicht weil ich es müsste oder mir jemand Druck macht. Überhaupt nicht! Vielmehr weil ich es will und mir genauso wünsche. Im Gegensatz zum Sport geschieht diese Neuorientierung im Glauben weder aus eigener Kraft, noch ist sie mit Leistungen verbunden. Christus selbst ist es, der mich mit seiner liebenden Aufmerksamkeit antreibt.

Ich weiß nicht, wohin uns die derzeitige Krise führt, aber ich erfahre, durch alles führt der Herr und spricht in unser Leben hinein. Er ist eine große segnende, liebende Kraft, die unser Leben im Blick hat. Und genau das hält und trägt mich in dieser Zeit der Veränderung und lässt mich mit Dankbarkeit auf ihn schauen.


Maria-Martina Fischer, Gemeindereferentin