"Mama, du bringst Licht in unsere Familie"

Ein Ritual (nicht nur für Muttertag) für Samstag- oder Sonntagabend vor dem Essen

 oder auch Sonntagmorgen vor dem Familienfrühstück.

Bei unseren „älteren Brüdern und Schwestern“, den Juden ist am Sabbat jede Art von Arbeit untersagt. Wir versuchen das am Sonntag in leichter Weise zu leben. Es wäre jetzt Unsinn, die jüdische Art Sabbat-Ruhe streng einfordern zu wollen. Aber Sabbat und Sonntag sind „freie“ Tage, um zur Ruhe zu kommen. Ich denke, dass es nicht schlecht ist, einmal in der Woche zur Ruhe zu kommen, bzw. zur Besinnung. Damit man auch wirklich – jedenfalls für eine gewisse Zeit – zur Ruhe kommen kann, haben wir Menschen bewusst feste Rituale, feste Zeiten und Bräuche eingeführt, die uns zur Ruhe führen. Ruhe hat etwas mit Regelmäßigkeit und vertrauten Wiederholungen zu tun.

In diesen Corona-Zeiten sind wir irgendwie „gezwungen“, mehr zuhause zu sein.Das allein macht aber nicht unbedingt „ruhig und gelassen“. Viele werden dadurch erst nervös. Unsere älteren Brüder und Schwestern, die Juden, pflegen nun seit etwa 2500 Jahren einen wöchentlichen festen Brauch, der sie in die sogenannte Sabbat-Ruhe führt. Sie haben also wirklich große Erfahrung darin. Es ist ein „Familienbrauch“ und nicht ein „allgemeiner Gesellschaftsbrauch“, ein ganz kleiner Hausgottesdienst. Die ersten Christen lebten noch sehr stark aus ihrer jüdischen Herkunft. Jesus und die Apostel waren ja Juden! Darum waren die ersten Christengemeinden „Hauskirchen“: Glaubensfamilien.

 

Und wie kommt man am besten zur Gemeinschaft, zur Ruhe? Durch so etwas wie Dinge, die uns alle verbinden:

Licht

                                    Essen & Trinken

                                                                                   Worte und Handlungen, die wohltuend sind, die einem bekommen.

 

 

Ich lade ein, das Folgende zu lesen und dann in unseren Familien danach zu handeln. In Coronazeiten dürfen auch wir uns verändern, neue und ungewohnte Wege gehen! Auch, wenn nun wieder Gottesdienstangebote bestehen, kann dieses kleine Ritual (vielleicht sogar über Corona und den Muttertag hinaus) zu einem festen Bestandteil in der Familie werden.

 

Zur Sabbatfeier besorgen sich die Juden zwei zopfartig geflochtene Sabbatbrote, bzw. die Hausfrau bäckt sie selber. Die Mutter kann auch in unserer Zeit zwei Milchbrötchen – oder auch Rosinenbrötchen besorgen. Das hat allein die Mutter des Hauses zu beachten. Ebenso ist die Hausfrau für das Entzünden der Sabbatlichter zuständig. Die Wertschätzung der Frau bzw. einer Mutter wird dadurch deutlich, dass sie Licht und Nahrung bringt – aber auch die Rollenverteilung. Darum stellt die Mutter zwei Kerzen dazu auf und legt Streichhölzer zurecht.

Nach getaner Arbeit legt man das Alltägliche ab und verändert sich. Man gibt sich ein sauberes und auch etwas festliches Aussehen, zum Beispiel durch Kleidung.

Zum Abendessen (oder Frühstück) trifft die Mutter letzte Vorbereitungen und deckt den Tisch. Vor dem Platz des Vaters liegen die zwei „Brote“ auf einem Teller, die Sabbat-Brote, welche mit einem schönen weißen Tuch bedeckt sind. Es ist ein bisschen wie ein geheimnisvolles Spiel. Drumherum stehen nach Anzahl der Personen kleine Becher, oder nicht so große schöne Gläser/Gläschen. Es geht nicht um die „Füllmasse“, sondern um das Zeichen, die Bedeutung. Der Wein (für Erwachsene), der Traubensaft (oder anderer Fruchtsaft für Kinder) und das Brot sind Hauptbestandteile des nun folgenden Sabbatrituals.Denn Brot und Wein/Fruchtsaft symbolisieren den Segen der Erde.

Wenn das alles vorbereitet ist, bittet die Mutter um Ruhe und entzündet die zwei Sabbatkerzen in der Mitte des Tisches.

 

Es folgt der Sonntagsbrauch (siehe Handreichung weiter unten). Bevor man das tut, sollte man der Familie erklären, warum man diese Hausfeier tun möchte (weil zurzeit alle großkirchlichen Zusammenkünfte nicht bzw. nur eingeschränkt möglich sind, aber wir sind jetzt Hauskirche und tun das, weil wir an Gott glauben. Wir haben das von unseren älteren Glaubensgeschwistern, den Juden übernommen. Vgl. dazu auch die obigen Hinweise).

Danach beginnt das Abendessen oder das Sonntagsfrühstück

(Nach einer Idee von Pfarrer Ferdinand Rauch)

 


UNSER NEUER SONNTAGSBRAUCH

 

Die Mutter hebt die Hände hin zu den Lichtern und spricht den Segen:

 

"Lob sei Dir o Gott.

Du bist die Liebe, die alle erleuchtet.

Du bist unser Gott und regierst als König mit Liebe.

Ja, deine Liebe verströmst du ins All.

Du hast uns wie Licht angestrahlt.

Du bleibst nicht bei Dir, sondern kommst zu uns,

Du Licht der Liebe.

Dafür haben wir dieses Licht entzündet.“

 

Es folgt eine Stille,

bei der alle in der Familie einfach nur ganz ruhig das Licht der Kerzen anschauen und auf sich wirken lassen.

 

Dann hebt die Mutter ihre beiden Hände über die Kerzen. Sie legt dann die  erwärmten Hände ganz ruhig auf den Kopf des Vaters und spricht:

Gott erleuchte Dich und erwärme dein Herz mit seiner Liebe.

 

Dann tut das auch der Vater.

Auch er spricht:

Gott erleuchte Dich und erwärme dein Herz mit seiner Liebe.

 

Vater und Mutter geben dieses auch an die Kinder oder die anderen versammelten links und rechts weiter.

            Gott erleuchte Dich und erwärme dein Herz mit seiner Liebe.

 

Nach dieser Handlung geben sich alle die Hand und sagen: 

Friede sei mit Euch!

 

Die Mutter nimmt auf ihrem Stuhl Platz,

und der Vater ehrt sie mit den Worten:

Gepriesen bist Du  N. N. (oder: Du, unsere Mutter / Mama)

Du bringst uns das Licht der Liebe Gottes.

Du bringst Licht in unser Leben

durch Dein mütterliches Wirken hier im Haus.

 

Dann nimmt der Hausvater die Kanne mit Wein / Saft

und schenkt das Getränk in die Becher.

Er erhebt dann mit allen zusammen die Gläser und spricht:

 

Gepriesen bist Du,

Herr unser Gott, Schöpfer der Welt.

Du schenkst uns Getränk aus den Früchten der Erde

und der menschlichen Arbeit.

Wir erheben unser Glas und preisen Deine Güte.

 

Alle antworten:

Gepriesen bist Du in Ewigkeit, Schöpfer der Welt.

 

Nun deckt der Vater die zwei Brote auf und schneidet ein Brot an.

Er lässt den Teller mit dem „kleinen Sabbat-Brot“ herumgehen.

Jeder nimmt sich ein Stück, behält es in der rechten Hand:

Der Hausvater spricht mit dem Brotstück in der rechten Hand:

 

Gepriesen bist Du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt.

Du gibst uns Nahrung für unser Leben.

Wir danken Dir für alles Gute.

 

Alle essen schweigend das Sabbat-Brot.

 

Dann kann diese Handlung durch ein kleines Lied abgeschlossen werden:

 

Segne, Vater, diese Gaben    Amen. Amen.

 

Oder ein anderes frohes Danklied.


Die Erklärung und die Handreichung zum Muttertag Sonntagsbrauch können über die untenstehenden Links heruntergeladen und ausgedruckt werden.