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Geistlicher Impuls für den Monat Mai 2021

Werkzeug deines Friedens: Ein zerbrechliches Freiheitslied

Mai ist für mich etwas besonders... Im Mai und zwar am 5. wurde in meiner Heimat, den Niederlanden, Befreiungstag(Bevrijdingsdag) mit Musik und vielen Events gefeiert. An diesem Tag erinnert man sich an das Ende der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Es handelt sich um einen offiziellen gesetzlichen Feiertag für alle Menschen. Dies hat meine Jugend in der Umgebung bei der ‚Brücke von Arnheim‘ stark geprägt – mein ‚Frühling in Holland‘. Auch heute noch (natürlich nicht während der Pandemie) sind die Feierlichkeiten mit Gottesdiensten, Umzügen, Festivals und Gedenkfeiern verbunden und werden vom Nationalen Totengedenken (Nationale Dodenherdenking), dem Volkstrauertag am Vortag, 4. Mai, eingeleitet. Es erinnert uns daran, dass die Freiheit in Europa hart erkämpft worden ist. Wir wissen, dass der Friede und die Eigenständigkeit in unserer geteilten europäischen Geschichte, die von Diktatur und Demokratie erzählt, zerbrechlich sind. Die Tatsache, dass ich als Niederländer und Ständiger Diakon, verheiratet mit einer deutschen Frau, heute in Hessen lebe und für das Bistum Fulda arbeite, war vor 80 Jahren noch ziemlich undenkbar gewesen. Die deutsch-niederländischen Beziehungen waren noch nie so gut wie heute und diese besondere Freundschaft ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Im Licht dieser Totengedenk- und Befreiungstage ist Mai für mich besonders – „Wer verzeiht, dem wird verziehen!“ sagte meine liebe Großmutter jedes Jahr wieder. Als Seelsorger bin ich mir bewusst, dass diesem traditionellen “Marienmonat“ nicht nur Befreiendes und Zerbrechliches anmutet, sondern auch etwas spirituelles, geprägt von der lebensbejahenden Kraft des Frühlings. Maria machte sich freiwillig zu einem Werkzeug von Gottes Frieden. Eine junge jüdische Frau aus einfachen Verhältnissen sagte „Ja!“ zu Gottes Plan. Damit brachte sie Glauben, wo Zweifel drohte und weckte Hoffnung, wo Verzweiflung quälte. Auch heute noch bringt sie Freude, wo Kummer ist und bietet Trost. Ich merke das immer wieder bei meiner Arbeit im Gefängnis. Maria zeigt uns einen Weg zu innerem Frieden, innerer Freiheit und Glauben, zur Liebe und Hoffnung. Hören wir den intrumentalen meditativen Song „ Landing “ und beten wir die Tage zusammen mit Maria das verbindende Friedensgebet vom Heiligen Franziskus (Franz von Assisi):


Barmherziger Gott,

mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Lieber Vater aller Menschen,

lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Amen.


Diakon Dr. Meins Coetsier | JVA Hünfeld und Fulda

„Landing“ von Divine Concern | Link: https://youtu.be/1d-3hDmW8YQ

Foto: privat