Wer auf das Licht und die Sonne zugeht, kann auch mit dem Schatten leben.

Johannes der Täufer, Stiftskirche Rasdorf; Foto: Winfried Möller
 

Etwa in der Jahresmitte, am 21. Juni, beginnt der Sommer und die Tage werden wieder kürzer. An vielen Orten finden Sonnenwendfeuer (Johannesfeuer) statt und sechs Monate vor dem Fest der Geburt Jesu, feiern wir die Geburt des Johannes. Jesus sagt über ihn:“ Er ist der Größte, den je eine Frau geboren hat.“


An den langen Sommertagen können wir die Sonnenstrahlen auskosten. Aber an dem Wandern des Schattens der Sonne mag manchem auch aufgehen, dass er die Lebenswende erreicht oder auch schon überschritten hat.

Psychologen und die „schlauen Medien“ sprechen von der Midlife-Crises, von der Krise in der Mitte des Lebens.


Auch Johannes der Täufer, dessen Fest wir am 24. Juni feiern, steht in einem eigenartigen Zwielicht vor uns. Einerseits war er der Wegbereiter und Lehrmeister Jesu und sie hatten beide ein enges Verhältnis. Andererseits kommen bei ihm immer wieder auch Zweifel auf. Das Matthäus-Evangelium berichtet offen von einer gewissen Krise des Johannes indem es ihn fragen lässt: „Bist du es, der kommen soll oder haben wir auf einen anderen zu warten?“


Johannes der Täufer erfährt Schatten und Dunkelheit und verweist doch auf das größere Licht vor ihm.

Und Johannes der Täufer kann – um den Gedanken des Anfangs noch einmal aufzunehmen – helfen, die eigenen Schatten anzunehmen, weil das Licht im Rücken bzw. vor uns steht und Gott immer noch da ist.


Entschieden wird über die Schatten und die Krisen des Lebens nicht mehr alleine durch die Gesetze der Biologie und die Analysen der Psychologie, sondern von Gott her fällt das entscheidende Licht auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens, auch von Niederlagen, Krisen und Leid.

Wer auf das Licht und die Sonne zugeht, kann auch mit dem Schatten leben.

Gehen wir dem Herrn entgegen, der Licht und Leben ist, in das Licht des lebendigen Gottes, das niemals untergeht.


Pfr. Winfried Vogel – Pfarrer von Steinbach und Arzell