"Glaubenswege an der Theke"

 

 - Fastenhirtenwort von Bischof Michael Gerber als Impuls

„Baustelle Kirche - Mission Impossible?“ – So war die Einladung zum Glaubensgespräch der etwas anderen Art der Kolpingsfamilie in Großentaft überschrieben.


Daniela Vögler, neu gewähltes Mitglied des Großentäfter Leitungsteams, begrüßte fast 30 Zuhörer aller Altersgruppen im Landhaus Schmelz, wo Gastwirt und Kolpingmitglied Alfred Schmelz extra am Ruhetag geöffnet hatte. Diözesanvorsitzender Josef Richter moderierte den Abend wie immer schwungvoll, inspirierend und tiefgründig. „Ein gutes Bier braucht sieben Minuten“ erklärte er augenzwinkernd und bat den Wirt, in sieben Minuten ein Bier zu zapfen, während die aufmerksamen Zuhörer in dieser Zeit das Video zum Fastenhirtenwort von Bischof Michael Gerber als Impuls anschauten.


In Bischof Gerbers viel beachtetem Hirtenwort steht die Michaelskirche in Fulda für Hoffnung und prägende Erfahrungen mit dem Glauben. Die Krypta in ihrem Untergeschoss hat alle Zerstörungen der vergangenen zwölf Jahrhunderte überstanden.
Der Kirchenbau selbst hat aber eine bewegte Geschichte und kann als Bild für die Situation der Kirche heute dienen. Umbauten und vor allem Zerstörungen haben in der Vergangenheit das Angesicht der Michaelskirche immer wieder geändert. Man müsse sich fragen, welche Wände der Kirche hohl sind und welche Wände noch tragen. Das entscheidende Bild aber findet Bischof Gerber zwei Stockwerke tiefer – in der Krypta mit der tragenden Säule im Untergeschoss: „Sie ist inmitten der Zerstörungen erhalten geblieben über alle zwölf Jahrhunderte hinweg.“ Im übertragenen Sinne können eigene Glaubenserfahrungen als „Krypta unseres Herzens“ wirken. „Trauen wir Gottes Geist, der sich seinen Weg bahnt durch Ritzen und verriegelte Türen. Trauen wir ihm als Fundament unserer Hoffnung und als Kraft zum Handeln.“


Im Anschluss an das Video zum Fastenhirtenwort ergab sich eine lebhafte Diskussion mit Pfarrer Ulrich Piesche über Glaubensfragen, Liturgie, die Situation der Priester und Pfarrgemeinden in der heutigen Zeit; zusammengefasst über „Gott und die Welt.“ Was muss sich in der Kirche ändern, welche Wände sind hohl und welche tragen? Diese Fragen stellten sich die Zuhörer. Auch kontroverse Themen wie Zölibat, die Rolle der Frau in der Kirche, Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, wiederverheiratet Geschiedenen, die Unfehlbarkeit des Papstes oder kirchliches Arbeitsrecht wurden diskutiert. Allerdings wurde auch klar, dass wir in einer Weltkirche leben und nicht allein in Deutschland Veränderungen erwirken können. Hier wäre eine „Vielfalt in der Einheit“ erstrebenswert. Josef Richter lud dazu ein, sich zu fragen, welche Glaubenserfahrungen als „Krypta in unserem Herzen“ wirken.


Dieser erlebnisreiche Abend zeigte, dass es kein Gegensatz sein muss, zu einem religiösen Vortrag einzuladen und etwas Geselliges zu erleben. Jesus hat auch an ungewöhnlichen Orten gepredigt und ist zu den Menschen gegangen. In lockerer Atmosphäre entstand eine ganz besondere Stimmung und konkrete neue Ideen wurden geboren. So kam der Vorschlag, einen Jugendraum für Gottesdienste herzurichten, damit junge Menschen einen neuen Zugang zur Kirche finden. Ein weiterer Vorschlag, der begeisterte, war, eine Themenreihe „Surprise“ zu starten. Einige wenige Personen bereiten im Wechsel Glaubensgespräche an einem besonderen Ort vor zu einem bestimmten Thema. Die anderen lassen sich davon überraschen. Oder ganz klassisch: Bewusst in der Bibel lesen und bekannte Texte neu wahrnehmen. Josef Richter bedankte sich bei Pfarrer Ulrich Piesche für den inspirierenden, unterhaltsamen, ja magischen Abend, der einen ganz neuen Zugang zum Glauben ermöglichte.

Bilder: Wolfgang Vögler