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Vorweihnachtszeit in der JVA Fulda

Es ist die Leidenschaft, die zählt

Wenn Menschen im Gefängnis einsitzen, gibt es vor allem im Advent und in der (Vor-)Weihnachtszeit gemischte Gefühle. Traditionell kommt es zwar vor, dass einige Häftlinge vor dem Fest vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden, aber für die meisten ist das nicht der Fall. Die Justizvollzugsanstalt in Fulda, unter der Leitung von Anstaltsleiter Karsten Koudela und Sachgebietsleiter Sicherheit Udo Kramm, möchte auch dieses Jahr zur Adventszeit die Gefangenen mit unterschiedlichsten Aktionen erfreuen.

„Weihnachtsstern“ und „Papa-Post aus dem Knast“
Mit den Aktionen „Weihnachtsstern“ und „Papa-Post aus dem Knast“ setzen der katholische Gefängnisseelsorger Diakon Dr. Meins Coetsier und die Sozialpädagoginnen Andrea Koch und Johanna Tesch sich in der Vorweihnachtszeit besonders für Väter in Haft ein. Mit dem Ziel Brücken zwischen dem Familienleben und dem Gefängnisalltag zu bauen. Die Kommunikation gelingt mit einer Aufnahme zum Anhören und ein selbstgenähter Kuschel-Weihnachtsstern für die Kinder. In den vergangenen Wochen haben Gefangene für ihre Kinder eine Geschichte vorgelesen, ein Lied eingesungen, oder einfach eine Papa-Botschaft teilweise mit Musikinstrumenten eingesprochen, die die Gefängnisseelsorge und der Sozialdienst aufgezeichnet haben. Die unterschiedlichen Aufnahmen und Grüße sind im Tonstudio bearbeitet und auf CD gebrannt, wonach die Papa-Post vom Sozialdienst mit Weihnachtsstern verschickt wurde. „Zu der Aktion gehört auch ein regelmäßiger gemeinsamer Austausch in der JVA – „Papa-Talk“ – wobei die Inhaftierten zusammensitzen mit der Seelsorge und dem Sozialdienst und über ihre Familiensituation reden können“, betont Sozialpädagogin Johanna Tesch.

Gitarre spielen in der Vorweihnachtszeit
Menschen im Gefängnis in der Adventszeit zum Musizieren zu motivieren, ist die Leidenschaft vom ehrenamtlichen Musiker Tilo Zschorn. Der Gitarrist vom Gefängnismusikprojekt „Divine Concern“, freut sich über jeden Strafgefangenen, der sich auf das Gitarrespielen einlassen möchte. „Ich biete diese Möglichkeit in der JVA Fulda an und hoffe damit die Gefangenen zum Gitarre spielen zu inspirieren.“ In der Weihnachtszeit wegen der Haft von der Außenwelt getrennt zu sein, das beschäftige die Insassen. Zschorn meint, dass in diesem Gewirr von Gedanken und Gefühlen, das gemeinsame Musizieren und Gitarre spielen ein Stück ersehnte Normalität erweckt. „Meine Erfahrungen als ehrenamtlicher Gitarrist in den Justizvollzugsanstalten Hünfeld und Fulda sind bisher durchweg positiv“, sagt der erfahrene Musiker. „Wir hoffen auch dieses Jahr an der Weihnachtsfeier unseren Beitrag leisten zu können.“

Weihnachtsplätzchen backen im Advent
Für das leibliche Wohl im Fuldaer Gefängnis sorgt JVA-Küchenchef Alexander Nardelli mit seinem Team. Vor allem während der Weihnachtszeit ist viel Betrieb. Für den Kochkurs und die Küche ist klar: „der Kandidat muss in die Küche passen,“ sagt er. „Sicher bin ich streng, aber ich bin auch fair“, lächelt der leidenschaftliche Koch, der seine Schützlinge trotz ihrer Straftaten zu schätzen weiß. Die Kochkünste von Nardelli und seinem Team werden nicht nur von den Gefangenen sondern auch von den Kollegen hochgelobt. Seine internationalen Gerichte machen allen Beteiligten Spaß, dabei schmeckt es oft „knast-himmlisch gut.“ Auch die Einkäufe und Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier gehören zu seinen Aufgaben. „Wir machen das jedes Jahr sehr gerne! Ja... und Weihnachtsplätzchen backen ist überall beliebt, auch im Gefängnis“, betont der erfahrene Koch, der neben seiner improvisierten ‚JVA-Weihnachtsbäckerei‘ auch immer für ein neues Weihnachtsrezept zu begeistern ist.

Im Allgemeinen kann man sagen: die Möglichkeiten im Vollzug sind stark eingeschränkt. Aber kreativen Raum zur menschlichen Begegnung gibt es trotzdem. Aus diesem Grund nutzen die Inhaftierten diese Aktionen in der JVA Fulda sehr gerne, d.h. für etwas Ablenkung, Austausch und Unterstützung… Ja, einfach für ein bisschen Menschlichkeit in den dunklen Wintertagen vor Weihnachten. +++ (pm)

Text und Bilder: Gefängnisseelsorge Hünfeld/Fulda